Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP)


ist weltweit unter den Katzen verbreitet, unheilbar und tödlich verlaufend. Sie ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten und eine der häufigsten Todesursache bei Hauskatzen.
Katzen infizieren sich hierbei mit einem harmlosen Coronavirus (FCoV). Dieser verursacht in der Regel nur mild verlaufende Darminfektionen. Er ist aber in der Lage sich in der Katze zu verändern – „zu mutieren“ - und kann damit die tödliche FIP- Erkrankung auslösen.

Die Symptome der FIP sind sehr vielfältig, es gibt wenige Krankheitsanzeichen oder Laborwerte, die direkt auf diese Erkrankung hinweisen, so dass es sehr schwer ist eine FIP beweisende Diagnostik zu erstellen.

Coronaviren (FCoV) kommen vor allem dort vor, wo viele Tiere auf engem Raum zusammen gehalten werden ( z.B. Zucht,Tierheim, Tierpension, Tierhandlung ).
Ungefähr 50% aller Katzen in Deutschland haben Antikörper gegen Coronaviren.
In der Schweiz sind 80% aller Zuchtkatzen und 50% aller freilaufenden Katzen FCo-Viren positiv.
In Haushalten mit mehreren Katzen sind nahezu alle Katzen infiziert, aber nur 5-10% aller mit FCoV infizierten Katzen entwickeln FIP. Bei einzeln gehaltenen Katzen ist das Risiko geringer. Selten gibt es Coronaviren bei herrenlosen, streunenden Katzen, da diese in der Regel Einzelgänger sind und nie gemeinsame Kotplätze benutzen.
Studien an Auffangstationen haben gezeigt, dass zu Beginn nur 10-15% der Wild-Fänge Antikörper gegen FCoV besitzen, nach kurzem Aufenthalt in der Station sind es nahezu 100%.
Bei jungen oder in der Immunabwehr geschwächten Katzen kann sich, bedingt durch die schwächeren Abwehrkräfte, das FCoV im Darm deutlich stärker vermehren, womit die Wahrscheinlichkeit einer Mutation des Virus steigt. Das Risiko eine FIP zu entwickeln ist bei diesen Katzen deutlich erhöht.

Wie kann sich eine Katze infiziereren?
Katzen, welche die genannten Coronaviren (nicht mutiert oder mutiert) in sich tragen, geben die nicht-mutierten Viren vor allem über den Kot, in geringerem Maße auch über andere Sekrete und Exkrete (z.B. Speichel, Urin etc.) an die Außenwelt ab . Andere Katzen infizieren sich, indem sie diese Viren über Nase oder Maul (oronasal) aufnehmen. Eine direkte Übertragung der krankhaft mutierten FIP Viren findet in natürlicher Umgebung nicht statt (experimentell aber möglich).
Auch eine Übertragung im Mutterleib bei trächtigen Tieren scheint unter natürlichen Bedingungen keine Rolle zu spielen.

Coronaviren (FCoV) sind chlorophorm-, hitze-, pH, und Ätherlabil, d.h. können mit den üblichen Haushaltsreinigern gut vernichtet werden. Sie können jedoch z.B. auf Oberflächen angetrocknet bei Raumtemperatur bis zu 7 Wochen infektiös bleiben. Der Erreger kann deshalb indirekt über Kleidung oder Gegenstände übertragen werden.

Besonders häufig infizieren sich Katzen aus Haushalten (vor allem Mehrkatzenhaushalten, Tierheimen, Katzenzuchten), in denen sich mehrere Tiere Katzentoiletten teilen. Meist infizieren sich hierbei Welpen im Alter von 6 - 8 Wochen direkt bei der Mutter oder bei anderen, den FCoV Virus ausscheidenden Katzen im Haushalt. Zu diesem Zeitpunkt sind die von der Mutter bei der Geburt übertragenden Antikörper nicht mehr ausreichend schützend – eine Infektion möglich.

Wie ist der Verlauf einer Coronavirus-Infektion?
Das nicht mutierte Coronavirus (FCoV) wird über Mund oder Nase von der Katze aufgenommen, setzt sich an der Oberfläche der Zellen im Dünndarm fest und dringt dort in die Darmzellen ein. Es vermehrt sich und zerstört die Zellen. Das dabei freiwerdende Virus befällt wieder weitere Darmzellen, usw. Entsprechend der Anzahl der befallenen Darmzellen kann es zu leichten bis mittelgradigen, manchmal auch chronischen Durchfällen kommen, die nur selten von Fieber begleitet sind.
Es gibt auch FCo-Viren, die Wochen oder Monate im Darm verbleiben, ohne dass die Katzen krankhafte Symptome zeigt – allerdings werden auch hier die Viren periodisch ausgeschieden, d.h. auch symptomlose Katzen können eine Infektionsquelle darstellen.
Katzen, die mit einem mutierten FCoV infiziert sind (FIP) scheiden ebenfalls die nicht-mutierten FCOV aus, allerdings in geringerer Menge.

Vielen Katzen gelingt es im Laufe von Monaten bis Jahren eine FCoV- Infektion zu eliminieren. Bei einer Blutkontrolle kann man bei diesen Tieren wieder negative Antikörper –Titer feststellen. Eine FCoV –Antikörper-positive Katze sollte deshalb alle 6 Monate getestet werden. Die Höhe des Antikörper-Titers steht in direktem Zusammenhang mit der Menge der ausgeschiedenen Viren.
Etwa ein Drittel der Katzen scheiden den Erreger jedoch monatelang, oder auch lebenslang aus und sind so eine Infektionsquelle für andere Katzen.

Ist eine Katze FCoV- positiv, ist damit zu rechnen, dass sie mit FCoV infiziert ist und dass eine eventuelle Mutation des Virus nicht verhindert werden kann. Die einzige Möglichkeit, das Risiko von FIP zu reduzieren ist, die Virusvermehrung möglichst gering zu halten, da bei niedriger Vermehrungsrate und damit weniger vorhandener Viren, auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass es zu einer Mutation kommt. Daher sollte Stress (z.B. durch neue Katzen im Haushalt, Operationen, Trächtigkeit, Besitzerwechsel etc.) und Immunsuppression (z.B. Cortisongabe) vermieden werden.
Durchschnittlich 5-10% aller Katzen in einem mit FCoV infiziertem Haushalt entwickeln FIP.
Eine FCoV-positive Katze kann weiterhin aus dem Haus gelassen werden, da das Risiko einer Reinfektion durch andere oder durch den eigenen Kot bei Freiläufern relativ gering ist. Die Reinfektion über den eigenen Kot spielt eine große Rolle.
Bei Freilauf setzt eine Katze praktisch nie zweimal den Kot am selben Platz ab, bzw. verscharrt diesen. FCoV kann im Freien nur Stunden bis Tage überleben (bei Frosttemperaturen etwas länger). Wohnungskatzen sind jedoch an Katzentoiletten gewöhnt, in denen FCoV im angetrockneten Kot bis zu 7 Wochen überleben kann.



Wie entsteht die Feline Infektiöse Peritonitis?

FIP entsteht, wenn sich ein FCo –Virus während seiner Vermehrung verändert (mutiert). Durch die Mutation erlangt das Virus die Fähigkeit, sich in hoher Quantität in Blutzellen zu vermehren.
Alle Faktoren, die eine erhöhte Virusvermehrung begünstigen, begünstigen auch die Wahrscheinlichkeit einer Mutation und damit die Entstehung einer FIP.
Faktoren sind z.B. Stress, Cortison, aber auch das Vorliegen anderer Krankheiten, wie z.B. Leukose oder Katzenaids (FIV).
Innerhalb von 14 Tagen nach der Mutation sind die mutierten Viren in Enddarm, Darmlymphknoten, Milz, Leber und Gehirn nachweisbar und werden mit dem Fortschreiten der Krankheit über die Blutzellen im Organismus verteilt.
Der Organismus versucht den Viren und den mitgeschwemmten biochemische Stoffe, welche weitere Entzündungen im Gewebe hervorrufen mit einer erhöhten Immunsystem-Stimulation entgegen zu wirken und das Virus zu Komplexen zu binden, was im Körper zu Gewebeschädigungen der Organe, an Bauch –und Brustfell zu Flüssigkeitsabsonderungen aus dem Gewebe und in den Blutgefäßen zu einer erhöhten Gerinnungsneigung führt.
Wie schnell nach der Mutation die ersten klinischen Symptome auftreten, ist nicht genau bekannt. Man nimmt an, dass die Krankheit wenige Wochen bis zu 18 Monate nach der Mutation klinisch sichtbar wird.

Welche klinischen Symptome gibt es?
Das Krankheitsbild der FIP ist vielfältig, da durch die Verbreitung über das Blut auch viele verschieden Organe befallen sein können. Vor allem sind aber Leber, Niere, Darm, die Bauchspeicheldrüse, Bauch- und Brustfell, aber auch Gehirn und Augen entzündlich verändert.
Bei allen Katzen mit unspezifischen Symptomen, mit wiederkehrendem, auch von Antibiotikagaben nicht zu beeinflussendem Fieber oder bei Fieber mit unklaren Organveränderungen, bei chronischem Gewichtsverlust, sowie bei allen Katzen mit einer Flüssigkeitsansammlung im Brust-, oder Bauchraum sollte die Erkrankung FIP in Betracht gezogen werden.
Früher ging man davon aus, dass die FIP in drei unterschiedlichen Formen auftritt:
● der sogenannten „ feuchten“ FIP
● der „trockenen“ FIP
● und einer gemischten Form.


Die feuchte FIP ist durch eine Entzündung des Brust- oder Bauchfells, in Verbindung mit einer dortigen Flüssigkeitsansammlung gekennzeichnet.
Die trockene FIP (auch granulomatöse, parenchymatöse, nichtexsudative oder
nichteffusive FIP) ist ohne Erguss in den Bauchhöhlen. Hierbei kommen granulomatöse Veränderungen in den Organen, in Augen und/ oder Gehirn vor.
Heute weiß man, dass es nicht sinnvoll ist, zwischen diesen Formen zu unterscheiden. Bei Katzen mit FIP sind immer mehr oder weniger Erguss und immer histologische Organveränderungen vorhanden. Mal ist das Eine, mal das Andere mehr ausgeprägt.
Bei einer Bauchwassersucht stellt man einen vergrößerten Bauchumfang fest, bei einem Thoraxerguss leidet die Katze unter zunehmender Atemnot. In seltenen Fällen ist auch ein Erguss im Herzbeutel, im Hodensack oder in der Niere möglich.
Sind entzündliche Umbauprozesse im Gehirn vorhanden (bei etwa 25% der FIP-Katzen), erkennt man zunehmend nervöse Störungen, wie z.B. Kopfzittern, Bewusstseinsstörungen oder epileptische Anfälle).

Welche labordiagnostischen Veränderungen gibt es?
Es gibt keinen typischen Laborparameter bei Blut- oder Urinuntersuchungen der FIP direkt charakterisiert. Je nach Ausmaß und nach Lokalisation der Organveränderungen können die Blutwerte auch unterschiedlich verändert sein.
Bis zu 65% der Katzen mit FIP zeigen eine Blutarmut (Anämie) und vor allem im Endstadium der Erkrankung einen Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie).
Auch erhöhte Nierenwerte oder erhöhte Leberenzymaktivitäten sind möglich, aber nicht Bedingung.
Bis zu 70 % aller Katzen zeigen einen Anstieg des Serum-Gesamteiweißes.
Dies wird durch einen Anstieg der Globuline (vor allem gamma-Globuline) verursacht, welche für die Antikörperbildung notwendig sind und von den Katzen während der Infektion in großem Masse gebildet werden um die Viren zu bekämpfen, während es gleichzeitig zu einer Abnahme des Bluteiweißes (Albumin) kommt.

Wie wird FIP diagnostiziert?
Die Diagnose FIP ist beim lebenden Tier oft schwierig zu stellen, vor allem, wenn die Krankheit nicht von Ergüssen begleitet ist. Um ein Leiden des Patienten zu vermeiden, wäre aber eine schnelle und zuverlässige Diagnose unumgänglich. Die Schwierigkeit, FIP eindeutig zu diagnostizieren liegt einerseits an den fehlenden direkt der Krankheit zu zuordnenden Krankheitsbildern und Blutwerten, andererseits aber auch an der geringen Sensivität und Spezifität der Tests, die routinemäßig im Labor Anwendung finden.
FIP ist eine häufige Fehldiagnose und wird auf der anderen Seite oft übersehen.

FIP- Verdacht besteht immer, bei Flüssigkeitsansammlung in Brust- oder Bauchraum, bei Fieber, welches sich nicht durch Antibiotika beeinflussen lässt, bei Fieber mit unklaren Organveränderungen, sowie bei chronisch kranken Katzen.

Die Punktatuntersuchung:
Besteht ein Verdacht auf FIP, sollte immer die erste Fragestellung sein, ob Erguss vorhanden ist oder nicht. Falls ein Erguss vorhanden ist, sollte dieser zunächst unter Ultraschallkontrolle punktiert und die gewonnen Flüssigkeit untersucht werden, weil hierdurch in den meisten Fällen Blutuntersuchungen überflüssig werden und so Zeit und Geld gespart werden kann. Untersuchungen, die aus einem Punktat durchgeführt werden, sind in ihrer Aussagekraft deutlich sicherer und genauer zur Diagnostik der FIP, als alle aus dem Blut mögliche Untersuchungen.

Allein die Tatsache, dass ein Erguss vorhanden ist, ist noch nicht beweisend für FIP.
50% aller Katzen, bei denen ein Erguss vorliegt haben FIP. Andere Ursachen eines Ergusses sind z.B. auch Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder maligne Lymphome.

Die Rivaltaprobe ist eine Untersuchung um entzündlich bedingte Ergüsse von nicht entzündlich bedingten Ergüssen zu unterscheiden. In der Humanmedizin spielt die Rivaltaprobe inzwischen eine untergeordnete Bedeutung, bei der Katze ist sie zur Diagnose FIP jedoch sehr gut geeignet.
Sie erfordert weder aufwendige Geräte, noch teure Reagenzien. Ein Reagenzglas wird zu ¾ mit destilliertem Wasser gefüllt, ein Tropfen Eisessig dazugegeben und vorsichtig gemischt. Danach gibt man einen Tropfen Punktat in die Lösung. Löst sich der Tropfen auf, ist die Probe negativ. Bleibt der Tropfen bestehen und schwebt langsam nach unten oder bleibt sogar an der Oberfläche hängen, ist die Probe positiv. Die Tropfenbildung entsteht durch den hohen Gehalt an Eiweiß, Fibrin und Entzündungs-überträgern. Bei einem negativen Ergebnis ist FIP mit hoher Sicherheit auszuschließen (97%). Bei positiver Rivaltaprobe ist die Wahrscheinlichkeit einer FIP-Erkrankung bei 87%.
Es gibt nur selten falsch-positive Rivalta-Ergebnisse. Möglich ist dies z.B. bei Katzen mit bakteriell bedingter Brustfellentzündung (Peritonitis) oder malignen Lymphomen.
Bei einem Verdacht sollte man diese Krankheiten durch weitere Untersuchung des Punktats (bakteriologisch, zytologisch, makroskopisch bei Peritonitis, histologisch bei malignen Lymphomen) diagnostisch abklären.

Der Antikörper-Nachweis:
Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist ein häufig genutzter diagnostischer Parameter. Der Antikörpernachweis ist auch aus der Flüssigkeit bei Ergüssen möglich, die Aussagekraft sogar stärker.
Der Antikörper-Nachweis muss jedoch sehr kritisch beurteilt werden, da ein großer Prozentsatz der gesunden Katzen FCoV-Antikörper positiv ist und hohe oder ansteigende Titer oft bei gesunden Katzen vorkommen und die meisten dieser
Katzen niemals FIP entwickeln.
Ungefähr 50% aller Katzen in Deutschland haben Antikörper gegen Coronaviren.
Auch die Höhe der nachweisbaren Antikörper gegen FCoV, die im Blut einer Katze zirkulieren, sagt FIP nicht vorher.

Die Ergebnisse einer Untersuchung auf Antikörper sollten deshalb mit extremer Vorsicht interpretiert werden.
Allerdings steht die Höhe des Antikörper- Titers in direktem Zusammenhang mit der Höhe der ausgeschiedenen FCo –Viren im Kot. So kann er in der Bestandsbetreuung eine Rolle spielen.
Bei einer kranken Katze kann nur ein sehr hoher Antikörpertiter (höchste Titerstufe) im Blut eine gewisse Diagnosehilfe darstellen – er macht das Vorhandensein von FIP wahrscheinlicher. Niedrige und mittlere Titer (unter 800 ) sollten nicht interpretiert werden. Auch sind ca. 10 % der Katzen mit einem negativer Titer trotzdem an einer FIP erkrankt, da die FCoV im Endstadium an Komplexe gebunden sein können.
Das Vorhandensein von Antikörpern gibt keinen Aufschluss darüber, ob die Katze im Moment mit FCoV infiziert ist, oder für eine Infektion empfänglich ist, auch nicht, ob sie FCoV ausscheidet oder FIP hat!
Trotzdem gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist den Antikörpertiter trotzdem zu bestimmen, wie z.B. in Katzenzuchten, die bisher FCoV negativ waren und zu deren ein neues Tier (z.B. zum Decken) gebracht werden soll.


Wie wird FIP therapiert?
Bei einer klinisch manifesten FIP ist die Prognose schlecht. Bisher gibt es keine nachweisbar effektive Therapie zur Heilung. Viele verschiedene Wirkstoffe wurden schon eingesetzt, allerdings häufig ohne Erfolg.
Über den tatsächlichen Einfluss von Cortison auf die Überlebenszeit der Katzen mit FIP gibt es bisher keine Studien. Trotzdem gilt die Gabe von Cortison, bei diesen Katzen, momentan als Behandlung der Wahl zur Milderung der Symptome, sowie auch zur Verlängerung der Lebenszeit.
Ist eine FIP sicher diagnostiziert, ist aus tierschützerischen Gründen in vielen Fällen eine Euthanasie zu empfehlen.

Welche Prognose gibt es?
Die meisten Katzen sterben jedoch innerhalb kurzer Zeit nach dem Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen.
Im Durchschnitt überlebten Katzen mit FIP nach Diagnosestellung neun Tage.

Gibt es einen Impfstoff gegen FIP?

Seit 1193 steht in Deutschland ein lokaler, intranasaler Impfstoff zur Verfügung (Primucell, Firma Pfizer). Dieser abgeschwächte, temperaturempfindliche Virus kann sich nur bei Temperaturen von 31 °C, wie sie z.B. im oberen Atembereich (Nase) herrschen, vermehren. Höhere Temperaturen, wie sie z.B. im übrigen Körper vorliegen ( normale Körpertemperatur der Katze liegt zwischen 38-39°C) lassen eine Vermehrung nicht zu.
Bei Katzen, die schon Kontakt mit Coronaviren hatten (z.B. oft bei Tieren aus Tierzuchten, Tierheimen) ist keine Wirkung des Impfstoffes vorhanden. Es ist daher nicht sinnvoll, Katzen in einem Haushalt zu impfen, in dem es Katzen mit positivem
FCoV-Antikörper gibt, oder in dem kürzlich ein Tier an FIP erkrankte.
Bei FCoV- Antikörper negativen Katzen kann das Auftreten von FIP möglicherweise zu einem gewissen Prozentsatz reduziert werden.
Die Wirksamkeit der Impfung ist daher generell als fraglich anzusehen.
Ein Antikörpertest sollte vor der Impfung durchgeführt werden, und nur, wenn dieser negativ ist, sollte eine Katze, wenn gewünscht, geimpft werden und der Besitzer auf die eingeschränkte Wirksamkeit des Impfstoffes hingewiesen werden.
Die Impfung selbst ist aber nicht schädlich. Sie löst keine FIP aus und hat auch sonst keine Nebenwirkungen. Bei Katzen unter 16 Wochen ist die Impfung nicht zugelassen und sollte auch nicht angewendet werden.


Welcher vorbeugenden Maßnahme gibt es?

Da die FCoV –Übertragung ja hauptsächlich über Katzenkot stattfindet, bzw. indirekt über kontaminierte Gegenstände oder Kleidung, ist die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung in Mehrkatzenhaltungen deutlich höher, als bei einzeln gehaltenen Katzen. Werden mehrere Katzen in engem Raum gehalten, findet hier eine permanente Ausscheidung und Reinfektion statt, wodurch die Höhe der Virusbelastung und damit das Risiko einer Mutation zu FIP steigt.
Deshalb sollten in Mehrkatzenhaushalten nicht mehr als 3 Katzen pro Gruppe gehalten werden. Jede Katze sollte ihre eigene Katzentoilette besitzen, welche möglichst mehrmals täglich gereinigt wird. Katzentoiletten sollten in Räumen stehen, die leicht zu säubern und zu desinfizieren sind.
Fressnäpfe sollten nicht im selben Raum, wie die Katzentoilette stehen.
Besonders gefährdet sind Tiere, die direkt mit einer FCoV - dauerausscheidenden Katze zusammen leben.
Ist eine Katze mit FIP aus Einzelhaltung gestorben, sollte zunächst eine gründliche
Reinigung und Desinfektion aller Gegenstände erfolgen, mit denen die Katze in Berührung kam. Vor Anschaffung einer neuen Katze sollte eine dreimonatige Wartefrist eingehalten werden (FCoV bei Antrocknen auf Oberflächen bis zu 7 Wochen bei Zimmertemperatur noch infektiös).
Wird bei einer Katze im Mehrkatzenhaushalt FIP diagnostiziert, wird häufig nachgefragt, ob diese Katze nun isoliert leben muss. Leben die Katzen des Haushaltes schon lange Zeit miteinander, so muss davon ausgegangen werden, dass die anderen Katzen zwischenzeitlich schon Kontakt mit FCoV hatten (FIP- Viren werden nicht ausgeschieden!!). Eine Trennung ist deshalb nicht zwingend notwendig. Hygienische Haltungsbedingungen, wie Reinigung der Katzentoilette nach jeder Nutzung sind aber zwingend um eine FCoV –Infektion zu kontrollieren. Es soll jedoch kein neues Tier in diese Gruppe aufgenommen werden, da dieses empfänglicher für FCoV wäre (hohe Empfänglichkeit führt zu starker Virusvermehrung, d.h. höheres Risiko einer Mutation und damit erhöhtes Risiko zu FIP).
Die FCoV-Ausscheider einer Katzengruppe können mit Hilfe einer Kotuntersuchung durch PCR bestimmt werden. Ist eine Kotuntersuchung nach viermaliger Untersuchung im Abstand von 2 Wochen jeweils negativ, so kann (wenn eine Reinfektion ausgeschlossen ist) mit großer Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass diese Katze kein FCoV –Virus –Ausscheider (mehr) ist.
Eine weitere Möglichkeit Ausscheider zu bestimmen ist die FCoV-Antikörper-Nachweis. Hat ein gesundes Tier keine Antikörper gegen FCoV, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit auch kein Ausscheider.


Wie kann man einen Zuchtbestand sanieren?
Es ist theoretisch möglich FCoV aus einer Katzenzucht zu eliminieren, dies ist aber ein sehr langwieriger, aufwendiger und teurer Prozess.
Ein Haushalt mit weniger als 10 Katzen kann unter Umständen spontan und ohne großes Eingreifen FCoV-frei werden, wenn keine Zucht betrieben wird.
In Haushalten mit mehr als zehn Katzen und mehr als drei Katzen pro Gruppe ist dies praktisch unmöglich, da das Virus kontinuierlich von einer Katze zur nächsten weitergegeben wird.
Chronische Virusausscheider müssen durch wiederholte Kotuntersuchungen mittels PCR identifiziert und abgesondert werden.
Um eine neue Infektion in einem FCoV-Antikörper freien Bestand zu verhindern, sollten nur Katzen mit einem negativen FCoV-Antikörper-Titer in den Bestand aufgenommen werden. Auch zu Decken dürfen nur FCoV-Antikörper negative Kater verwendet werden.
Falls Züchter während der „Sanierungsphase“ nicht auf Nachwuchs verzichten möchten, ist das sog. „early weaning“, d.h. das frühe Absetzen von der Mutter eventuell eine Alternative.
Dabei werden trächtige Kätzinnen in möglichst gut desinfizierten Räumen isoliert. Die Welpen sind die ersten fünf bis 6 Wochen durch maternale Antikörper geschützt.
Wenn die Kätzchen 5 Wochen alt sind, wird die Mutter von Welpen getrennt und aus dem Raum genommen, damit sich die Kleinen nicht bei der eigenen Mutter anstecken. Die Welpen werden bis zur Abgabe zusammen, aber isoliert gehalten.
In England ist es auf diese Weise gelungen, viele Katzenzuchten zu sanieren. Vorraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass alle Personen, die mit der Betreuung der Welpen beschäftigt sind, nach jedem Kontakt mit anderen Katzen Hände und Kleidung desinfizieren, was sich oftmals als schwer durchführbar herausstellt.



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