Diagnose der Futtermittelallergie: Blutuntersuchung statt Eliminationsdiät?

Juckreiz beim Hund ist ein sehr häufiger Grund für den Tierarztbesuch. Neben parasitären und sekundären bakteriellen Hautinfektionen gehören allergische Hautkrankheiten bei solchen Patienten zu den häufigsten Diagnosen. Reicht eine Blutuntersuchung aus um die richtige Diagnose zu stellen?


Ein einfacher Labortest? Ein einfacher Labortest zur Diagnose von Futtermittelallergie wäre von vielen Seiten wünschenswert. Allerdings ist beim Tier der Pathomechanismus von Futtermittelallergien noch weitgehend ungeklärt, was folgemäßig die in vitro-Diagnostik limitiert Die in der Praxis leicht durchführbaren serologischen Tests, die Futtermittelallergen-spezifisches IgE und IgG beim Hund messen, werden von mehreren Laboren in vielen Ländern angeboten. Marketingliteratur zu serologischen Tests gibt an, dass die Ergebnisse hilfreich sind, um passende Diäten für den Patienten zu bestimmen und helfen Zeit zu sparen, um beteiligte Allergene zu bestimmen. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch andere Labore, die spezifisch betonen, serologische Tests zur Futtermittelallergie-Bestimmung nicht anzubieten, da der Nachweis ihrer klinischen Validität noch kontrovers ist. Beim Hund wurden für IgE-Serologie zwar oft gute Spezifitäten, aber sehr geringe Sensitivitäten nachgewiesen und diese Ergebnisse stimmen mit Literatur aus der Humanmedizin weitgehend überein. Beim Menschen, bei dem eine Nahrungsmittelallergie potenziell lebensbedrohlich sein kann, wird zwar die Allergen-spezifische IgE-Serologie routinemäßig durchgeführt, um potentielle Allergene zu erkennen gegenüber denen der Patient sensibilisiert ist. Da aber die Rolle von IgE in der Pathogenese der Nahrungsmittelallergie auch beim Menschen noch nicht vollständig geklärt ist, gilt heute immer noch die orale Provokation als der „Goldstandard" zur eigentlichen klinischen Diagnose. Fazit: Trotz weitverbreiteter Vermarktung serologischer Tests für die Diagnose der Futtermittelallergie beim Hund liegen bisher ungenügend Daten vor, um diese für den klinischen Einsatz zu empfehlen. Im Gegenteil, fraglicher diagnostischer Nutzen wurde kürzlich festgestellt, wobei Testergebnisse verschiedener Labore nicht korrelierten und nicht zwischen erkrankten und Kontrollgruppenhunden unterschieden. Serologische Tests können derzeit nicht empfohlen werden, um die Eliminationsdiät zur Diagnose der Futtermittelallergie zu ersetzen. Autor: Dr. Anette Loeffler, PhD, DVD, DlpECVD, MRCVS Department of Clinical Sciences and Services University of London.