Giardienbefall bei Hund und Katze

Giardien sind einzellige Geißeltierchen (Flagellaten). Sie kommen weltweit im Darm zahlreicher Säugetiere vor. Sie stellen auch für den Menschen als Zoonoseerreger eine Gefahr dar. Diese sind beim Menschen ebenso wie bei Hund und Katze ein weit verbreiteter Darmparasit. Giardien gehören neben den Spulwürmern zu den am häufigsten vorkommenden Parasiten bei Hund und Katze. Sie besiedeln den Dünndarm, vermehren sich durch wiederholte Zweiteilung und bilden widerstandsfähige Zysten, die mit dem Kot in die Umwelt gelangen. Die infektiösen Zysten werden zu Hunderttausenden mit dem Kot der Tiere ausgeschieden. Die Zysten bleiben in feuchter Umgebung mindestens 3 Monate und in Kot rund 1 Woche infektiös, sind aber gegenüber Austrocknung und kalten Temperaturen (- 4 °C über eine Woche) empfindlich.

Wildtiere und andere Tiere können ebenfalls befallen sein.


Infektionswege

Die Infektion erfolgt mit infektiösen Zysten über kontaminiertes Futter, Wasser oder Schmierinfektionen. In den USA lassen sich in bis zu 80 Prozent der Rohwasserproben Giardien nachweisen. Fliegen spielen eine weitere Rolle bei der Verbreitung der Erreger und der Kontamination des Futters. Die Zysten werden in großen Mengen über einen Zeitraum von 4 bis 5 Wochen, manchmal sogar Monate ausgeschieden. Dieser Zeitraum verlängert sich, wenn immer wieder ansteckungsfahige Zysten aus der Umwelt aufgenommen werden.

Infektiöse Zysten können unter feuchten und kühlenBedingungen nicht nur in der Umgebung des Wirtes monatelang überleben, sondern auch im Haarkleid des Tieres (insbesondere im Analbereich) haften bleiben und daher das Infektionsgeschehen aufrecht erhalten.


Klinische Symptome:

Die Giardien heften sich mit ihrer Saugscheibe an die Darmschleimhaut an. Dadurch kommt es zur mechanischen Schädigung und somit zur Verdauungsstörungen. Während eine Giardieninfektion bei erwachsenen Hunden und Katzen öfter ohne Symptome verläuft, kann sie bei Welpen und Jungtieren mit übelriechendem, hartnäckigem oder chronischem hellem Durchfall mit schleimigen, selten mit blutigen Beimengungen einhergehen. Meist ist der Kot sehr fetthaltig. Zum Teil erbrechen die Tiere auch. Als Folge der schlechten Nahrungsverwertung und der Mangelernährung tritt Gewichtsverlust und ein Kümmern der Tiere bei unverändertem Appetit ein.


Diagnose:

Die Methode der Wahl ist der Nachweis von Giardia-spezifischem Kopro-Antigen im Kot.

Unser hausinternes Labor bietet Ihnen einen speziellen, zuverlässigen Test an, welcher nicht nur intakte Giardien, sondern auch Fragmente des Parasiten erkennen kann. Dies ergibt eine deutlich höhere Trefferquote (über 90%) im Vergleich zur mikroskopischen Untersuchung. Zudem liegt das Ergebnis schon nach 10 Minuten vor, so dass Ihr Hund oder Katze sofort gezielt behandelt werden kann.

Therapie

Die einzigen in Deutschland für die Behandlung der Giardieninfektion bei Hunden zugelassenen Tierarzneimittel enthalten Fenbendazol als Monowirkstoff. Für Katzen stehen entsprechende Präparate mit

dem Wirkstoff Fenbendazol zur Verfügung, diese sind jedoch nicht für die Behandlung einer Giardieninfektion zugelassen, d.h. es muss eine Umwidmung bezüglich der Indikation stattfinden.



Dosierung für Hunde:

1 x täglich 50 mg/kg KG p. o. über 3 Tage. Diese Dosierung stellt sich in der Praxis jedoch häufig als nicht ausreichend dar.

In hartnäckigen Fällen kann die Behandlung über 7 Tage ausgedehnt werden. Wegen der hohen Gefahr von Reinfektionen sollte die Behandlung nach 2 Wochen wiederholt werden.



Dosierung für Katzen:

In der Praxis wird Fenbendazol zur Behandlung einer Giardeninfektion bei Katzen oft in folgender Dosierung umgewidmet: 1 x täglich 50 mg/kg KG p. o. über 5 Tage, nach dreitägiger Pause erneut 1 x täglich 50 mg/kg KG p. o. über 5 Tage. Aufgrund der hohen.

Wegen der hohen Gefahr von Reinfektionen sollte die Behandlung nach 2 Wochen wiederholt werden.


In der Praxis kommt es trotz Behandlung mit diesen Wirkstoffen häufig zu einer weiteren Ausscheidung von Giardia-Zysten und einem Andauern der klinischen Symptome. Ausbleibende Behandlungserfolge und wiederkehrende Infektionen können unter anderem auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:

Begleitinfektionen, Reinfektionen aus kontaminierter Umgebung.

Daher ist neben der Kausaltherapie des Patienten eine Dekontamination der Umgebung mit anschließender Trockenlegen der Zwinger essenziell, um die Überlebensfähigkeit der Zysten einzuschränken.

Quaternäre Ammoniumverbindungen sind zur Desinfektion sehr gut geeignet. Empfehlenswert ist z.B. ViPiBaX® GIardien EX-Desinfektionsmittel, das neben Giardien auch auf eine ganze Reihe anderer Mikroorganismen wirkt, die bei Kleintieren vorkommen. Es enthält außerdem kein Alkohol und keine Parfums und schont daher empfindliche Haut. In der Afterregion der Tiere finden sich häufig Giardia-Zysten-haltige Kotspuren, die möglichst einmal täglich entfernt werden sollten, damit sich Kontakttiere beim gegenseitigen Beschnuppern und Belecken nicht anstecken können.



Sinnvolle Maßnahmen zur Verhinderung der Übertragung auf andere Tiere und zur Prophylaxe einer

Wiederkehrende Infektion sind:


  • Behandlung aller Tiere in einem Haushalt/Bestand, unabhängig davon, ob klinische Symptome vorliegen oder nicht.

  • Aufsammeln von Kot und Entfernung des Kotes im geschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll.

  • Gründliche Reinigung aller fäkal kontaminierten Oberflächen (Böden und Wände) mit anschließender vollständiger Abtrocknung, optimal ist der Einsatz von Dampfstrahlern (> 60 °C).

  • Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern oder bei > 65 °C in der Spülmaschine reinigen.

  • Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen.

  • Decken/Kissen heiß waschen ( bei mindestens 65 °C ).

  • Spielzeug mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine > 65 °C reinigen.

  • Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen.

  • Hunde ggf. auch Katzen gründlich baden und shampoonieren (z. B. mit chlorhexidindigluconathaltigen Produkten), um sie von anhaftenden Kotresten zu säubern, ggf. lange Haare im Analbereich scheren.

  • Ggf. Desinfektion von Flächen/Gegenständen mit geeigneten Desinfektionsmitteln.

  • Die aktuelle Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) kann angefordert werden unter www.dvg.net.

  • Feuchte Areale trockenlegen und nach Möglichkeit befestigen.


Ansteckungsgefahr für die Menschen:


Die meisten Genotypen, die bei Hunden und Katzen vorkommen, sind keine Zoonoseerreger. Nur zu einem geringen Prozentsatz werden bei Tieren zoonotisch relevante Genotypen nachgewiesen.

Mit den in der Praxis üblichen Nachweisverfahren werden die verschiedenen Genotypen jedoch nicht differenziert und identifiziert. Zoonotisch relevante Genotypen können bei Bedarf jedoch mit molekularbiologischen Methoden ermittelt werden. Immunsupprimierte Personen sind besonders gefährdet und sollten bei Auftreten von Magen-Darm- Symptomen einen Humanmediziner aufsuchen.



FAZIT

Giardien sind der wahrscheinlich häufigste Endoparasit von Hunden und Katzen, die klinische Relevanz und zoonotische Bedeutung sind jedoch eng umrissen.

Eine Giardiose als Zoonose, ausgehend von Hund und Katze, muss daher derzeit als überbewertet angesehen werden.

Auf der anderen Seite ist die Bedeutung der Giardien-Genotypen bei Chinchilla, Frettchen oder Kaninchen als deutlich höher einzustufen und deren zoonotische Bedeutung ist im Vergleich zu Hund und Katze möglicherweise unterbewertet (Pantchev et al.2014).

Die Therapie von Giardien-Infektionen, insbesondere bei Welpen und Jungtieren sowie bei Tieren aus Gruppenhaltungen, erfordert neben dem Einsatz hocheffizienter Antiparasitika, wie Fenbendazol, gleichwohl eine umfassende Dekontamination der Umgebung von Giardia-Zysten.

Eine gründliche Reinigung und Desinfektion versteht sich von selbst. Erfahrungsgemäß lassen sich Therapieversager in der Regel durch Reinfektionen mit Zysten aus der Umwelt und nicht durch Resistenzen erklären



Falls Sie noch weitere Informationen benötigen steht Ihnen unser Praxis Team gerne zur Verfügung!